07.01.2020 | Bundesvorstand

Pressemitteilung

Solidarität mit Polens entscheidendem Kampf um die richterliche Unabhängigkeit

Die Neue Richtervereinigung unterstützt uneingeschränkt den Kampf zum Erhalt der Unabhängigkeit und demokratischen Verbundenheit unserer Kolleginnen und Kollegen in Polen:

Mitten in Europa wird in Polen der Rechtsstaat zerstört. Die Regierungspartei schafft sich eine Justiz, die allein ihren Willen vollstrecken wird. Polen ist unser europäischer Nachbar und Freund. Wir alle haben es nach der kommunistischen Vergangenheit und ihren Folgen für unmöglich gehalten, dass dieses Land sich erneut vom Rechtsstaat abkehrt. Nun unternimmt es die polnische Regierung, die Justiz mundtot zu machen, herauszulösen aus der Gesellschaft, abhängig zu machen nur von Willfährigkeit zu den Machthabern, absetzbar und schikanierbar bei unliebsamen Urteilen und sachlicher Kritik, etwa an der grob rechtswidrigen Verweigerung der Umsetzung des zwingend geltenden vorrangigen Europarechts. Gegen alle Warnungen von Freunden, Stellungnahmen der EU, Urteile europäischer und (noch) unabhängiger nationaler Gerichte.

Das können wir als in Deutschland tätige Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte nicht hinnehmen. Wir solidarisieren uns uneingeschränkt mit den polnischen Kolleginnen und Kollegen, die am 11. Januar 2020 für die Gewaltenteilung und eine unabhängige Justiz demonstrieren werden. Wir haben unsere Mitglieder aufgefordert, den Marsch zu unterstützen und werden im Rahmen unserer Möglichkeiten teilnehmen.

Allein eine tatsächlich unabhängige Justiz, die (selbst-)kritisch mitten im Leben des Gemeinwesens steht, kann den Rechten der Bürgerinnen und Bürger zur Durchsetzung verhelfen. Nur sie kann Vertrauen, Freiheit und Frieden im Gemeinwesen erhalten und Gerechtigkeit erstreben. Wer dieses Prinzip mit Füßen tritt, tritt den Kern mit Füßen, wofür unser gemeinsames Europa nach den Abgründen der Diktaturen und Unrechtsherrschaften steht. Gerade als Deutsche stehen wir in der Verantwortung, mit allen Europäerinnen und Europäern uneingeschränkt an der Seite unserer polnischen Freunde, das Erbe der Aufklärung und der Lehren aus den grausamen gemeinsamen Vergangenheiten zu bewahren.

Die PiS mag versuchen, ihre Macht zu mehren, die Gewaltenteilung auszuhöhlen und weit mehr als nur ihren Bürgerinnen und Bürgern schaden. Unsere gemeinsamen europäischen Werte lassen wir uns vereint nirgends nehmen, nicht in Europa, nicht in Polen.

 

Solidarity with Poland's crucial struggle for judicial independence


The New Judges Association fully supports the struggle to maintain the independence and democratic ties of our colleagues in Poland:
In the middle of Europe, the rule of law is being destroyed in Poland. The ruling party is in action to create a judiciary that will carry out its will alone. Poland is our European neighbor and friend. After the communist past and its consequences, we have all considered it impossible for this country to turn away from the rule of law again. Now the Polish government is undertaking to silence the judiciary, to detach it from society, to make it dependent only on its compliance with those in power, to be unprotected against being punished and bullied in the event of unpleasant judgments and objective criticism, for example of the grossly unlawful refusal to implement the mandatory European law. Against all warnings from friends, statements by the EU, judgments of European and (still) independent national courts.

As judges and public prosecutors working in Germany, we cannot accept that. We are fully in solidarity with our Polish colleagues who will demonstrate on January 11, 2020 for the separation of powers and an independent judiciary. We have asked our members to support the march and will participate as far as possible.

Only a genuinely independent judiciary, which is (self-)critical in the midst of community life, can guarantee the rights of citizens. It alone can maintain trust, freedom and peace in the community and strive for justice. Those who trample this principle trample on the core of what our common Europe stands for after the abyss of dictatorships and states ruled by injustice. As Germans in particular, we have a responsibility to fully preserve the legacy of enlightenment and lessons from the cruel past, together with all Europeans at the side of our Polish friends.

The PiS may try to increase its might, undermine the separation of powers, and do much more harm than only to its citizens. We, united, will not let our common European values be taken, not in Europe, not in Poland.

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