24.05.2019 | Fachgruppe Psychologie und Recht

Macht und Gehorsam

Einladung zur 19- Tagung

Macht ist im menschlichen Zusammenleben allgegenwärtig. Nach der Definition von Max Weber ist MACHT die "Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Wider-streben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht". Demgegenüber bedeutet GEHORSAM die Unterordnung unter den Willen einer Autorität und das Befolgen von Geboten oder Verboten.

Nach unserer jüngeren Geschichte  - der Diktatur des NS-Staats, dem II. Weltkrieg und dem Holocaust -  wollen wir der Frage nachgehen, warum eine so große Bereitschaft "normaler" Menschen gegeben ist, sich der Autorität zu beugen und UNMENSCHLICHE BEFEHLE  zu befolgen. Auch beim Gehorsamsexperiment von Milgram 1961 waren es "ganz normale Menschen", die bereit waren, auf Anweisung des Versuchsleiters lebensgefährliche Stromstöße zu verteilen.

Um diese Grenzüberschreitungen und Gewaltexzesse umfassend zu verstehen hilft hier kein indivi-dualpsychologischer, sondern nur ein sozialpsychologischer Ansatz weiter. Es gilt daher nicht in Begriffen des Aggressionstriebes und der autoritären Persönlichkeit zu denken, sondern hier ist eine Analyse der sozialpsychologischen Situation und Konfiguration notwendig. Nicht die individuelle Psychopathologie der einzelnen Täter, sondern die bewusste und unbewusste Dynamik zwischen den objektiven und subjektiven Faktoren dieser Befehls- und Gehorsamssituation müssen analysiert werden, einschließlich der gesellschaftlichen Strukturen und Rahmenbedingung.

Von Bedeutung sind dabei ein ganzes Bündel sozialpsychologischer und individualpsychologischer Faktoren, die sich wechselseitig bedingen, beeinflussen und. überformen - und damit die Dynamik der Situation bestimmen:  z.B. Rollenverständnis des Befehlsempfängers; Legitimität der Autorität; Beloh-nungs- und Bestrafungsmöglichkeiten; Umdefinition des Bösen zum Guten; "Entmenschlichung" des Opfers; Anpassungsdruck an die numerische Majorität; Bedürfnis des Täters nach Konformität, Zuge-hörigkeit und Anerkennung; Fähigkeit zu eigenständigem Denken und zur Autonomie; Erziehungs-prägung und Beziehungserfahrung; Unfähigkeit des Täters zur Empathie mit dem Opfer  u.v.a.m.In neuerer Zeit richtet sich die Aufmerksamkeit zunehmend  auf das Wechselspiel zwischen Macht und Narzissmus. Vor allem in der Politik lässt sich ein pathologischer Narzissmus als Ursache von Machterwerb und Machtmissbrauch nicht übersehen.

Wir wollen uns diesmal u.a. näher  beschäftigen mit Erich Fromm „Über den Ungehorsam“, Arno Grün „Wider den Gehorsam“,  Peter Brückner „Zerstörung des Gehorsams“, Etienne de La Boetie "Frei-willige Knechtschaft", Martin Teising „Selbstbestimmung zwischen Wunsch und Illusion“, Mario Erdheim  „Das Traumatisierende an der Macht“, Rolf Pohl „Ganz normale Massenmörder“, Hans Stotzka „Macht“, Hans-Jürgen Wirth „Narzissmus und Macht“.

 

Anreise: Freitag, den 24.Mai 2019, ab 15.00 UhrAbreise: Sonntag, den 26. Mai 2019, ab 12.30 Uhr

Oberlinspher Mühle, Bromskirchen

 

 

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